Was ist die Kerb ?
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Kirchweih ist ursprünglich das religiöse Fest anlässlich der Einweihung einer christlichen Kirche. Wegen der einseits weiten Verbreitung der Kirchweih als auch ihrer jeweiligen lokalen Besonderheiten haben sich in den regionalen Dialekten verschiedene Bezeichnungen für die Kirchweih eingebürgert:
In der Schweiz ist der Begriff Chilbi geläufig.
Oft wird die Feier des Jahrestages auf den Namenstag des gewählten Schutzheiligen der Kirche gelegt. Es gibt aber auch Kirchtage am Tag der Weihe der jeweiligen Kirche oder am allgemeinen (bayerischen) Kirchtag, das ist der dritte Sonntag im Oktober.
Im ländlichen Raum bildet die Kirchweih eine wichtige dörfliche Institution, mit den - zumeist jugendlichen - Kirmesburschen (in Franken auch "Ortsburschen" oder "Kärwabou/madli"; in Hessen "Kerweborsche","Kerbeborsch" oder "Kerbborsch" genannt, im Saarland und Rheinland-Pfalz auch "Straußbuwe" wegen des oft kunstvoll verzierten Kirmesbaums), die das jährliche Fest organisatorisch tragen. Mittlerweile nehmen daran in viele Dörfern auch Mädchen und junge Frauen teil.
Bei der original fränkischen "Kerwa" bzw. oberpfälzer "Kirwa", die man in den Monaten April bis Oktober in vielen Ortschaften findet, dauert die Veranstaltung meist von Freitag bis Montag. Am Freitag finden meist Musikveranstaltungen für die Jugend statt. Am Samstag wird der "Kirchweihbaum" von den ortsansässigen Burschen aufgestellt. Am Samstag früh fahren die Burschen (15-25) mit den Traktoren und Anhängern in den Wald, um den vorher ausgesuchten Baum umzulegen und ins Dorf zu fahren. Der Baum darf dabei beim Fällen nicht durchbrechen. Mit Bändern geschmückt und von der Musik begleitet, wird der Baum dann am Nachmittag in das Dorf gefahren und vor der Wirtschaft, aus der die Burschen stammen, wieder aufgestellt. Dieser Vorgang zieht sich meist über mehrere Stunden hin und ist sehr anstrengend, da der Baum über 30 Meter hoch sein kann. Am Sonntag trifft man vereinzelt noch das "Fässla ausgraben" an. Dabei wird, wenn es 2 "rivalisierende" Gruppen von Burschen gibt, ein Bierfass im Garten der jeweils anderen Gruppe versteckt und muss dann von den ortsansässigen Burschen gesucht werden. Schaffen sie es nicht, ist es eine Schmach, wenn die andere Burschenschaft das Bierfass wieder ausgräbt. Eine weitere Form, wie sich rivalisierende Kerweburschen die Getränke finanzieren, ist das Kerblies klauen. Die Kerblies, mancherorts auch Kerbeliesel, Kerbonkel, Schlackes oder Lisbeth genannt, ist eine am Kerbbaum aufgehängte Strohpuppe. Diese wacht während der Zeit über die Kerb. Vorrangig nachts kommen auswärtige Kerbbuschen um die Lies vom Baum zu holen und nach erfolgreicher Tat am nächsten Tag gegen Flüssiges einzutauschen. Das Fällen des Baumes ist jedoch nicht zu gerne gesehen. Wenn die Lies geklaut wurde, sind die Kerwebuschen am nächsten Tag meist dem Hohn und Spott der vorigen Jahrgänge ausgesetzt, da diesen die Schmach "angeblich" nie passiert ist.
Am Montag wird dann der "Betz ausgetanzt" (teilweise auch der "Kirchweihbaum ausgetanzt"). Dabei suchen sich die Burschen am Montag morgen ein Mädchen aus und tanzen, meist sogar in ortstypischer Tracht. Dabei wird pro Runde ein Blumenstrauß von Paar zu Paar gegeben. Auf einem Wecker wurde eine bestimmte Zeit eingestellt, zu der er dann klingelt. Wer dann den Strauß hat, ist der "Masta" (Meister) und muss die Zeche für die Burschen für den ganzen Abend zahlen. Zusätzlich werden nach der Kirchweih alle Burschen und ihre Mädchen bei ihm zum Schnaps- und Kaffeetrinken eingeladen.
Auch gehört zur Kirchweih in manchen Orten eine Kirchweihpredigt, in welcher Ereignisse des vergangenen Jahres ausgewertet werden. Am Ende des Kirchweihfestes wird dann die Kirchweih (in der Pfalz "Kerweschlumbl" oder "Kerweliesl") beerdigt.
Analog zu den verschiedenen Bezeichnungen für "Kirchweih" werden Kirchweih-Lieder in den jeweiligen Dialekten gesungen. Beispiel: "Wem isch die Kerwe? - Unser!" (Kurpfalz) "Wer houd Kirwa? - Mir hom Kirwa!" (Oberpfalz) "Wem iss (werd) die Kerb? - Uss!"
Traditionell trafen sich Menschen nach der Messe am Marktplatz,
um von vorbeiziehenden Händlern Waren zu erstehen. Diese
Tradition hielt sich mancherorts bis heute.
Anlässlich der Kirchweihfeste findet neben religiösen Feiern (Gottesdienste, Messen) oft auch ein Volksfest mit Fahrgeschäften (zum Beispiel Karussells) und sonstige Vergnügungen statt, häufig auch eine Verkaufsmesse für Vieh, andere landwirtschaftliche Produkte oder für Waren aller Art.
Da sich früher die Kirchweihfeierlichkeiten noch über den Montag hinaus hinzogen, gibt es in Altbayern den Spruch: "A guate Kirta geht bis Irta, und bleibst nacha picka, dann halt bis Micka" (Eine gute Kirchweih dauert bis Dienstag, und bleibst Du nacher hängen, dann halt bis Mittwoch).
Quelle : Wikipedia